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Ideal und Wirklichkeit
„Special Symbiosis“ – das Kunstverschmelzungskollektiv – sorgt derzeit mit seinem neusten Projekt für Furore. An fünf Abenden findet in der „Unsagbar“ in Wien die Aufzeichnung des Programms „Ideal und Wirklichkeit“ statt, das im Herbst bei OKTO TV zu sehen sein wird. Die Wir(r) berichtet exklusiv von den ersten beiden.
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Wenn der wohl grindigste Moderator Österreichs Rudi Radulnig und seine skurrilen Gäste die Welt erklären, prallen Realität und Irrsinn aufeinander. Publikumsbeschimpfungen, Kabarett, schaurige Lyrik und Videokunst verschmelzen zu einer für die Symbiotiker typischen Mischung von Darstellungsformen. Den Anfang machte am 2. Juni das „Kabarett und Krematorium“

Kabarett und Krematorium

Ein Maître de Cérémonie und seine Publikumsbeschimpfung eröffneten die erste Darbietung. Das Dekollete der Damen wurde in Frage gestellt, das scheinheilige Verhalten der Bobos in den Multikulti-Bezirken, die die Kinder dann aufs Theresianum schicken, vergrault – eine Publikumsbeschimpfung, die keinen so wirklich verschonte.

Rudi Radulnig - neben der Studio-Couch fixer Bestandteil des Inventars der Darstellungsreihe – lud dieses Mal Brachialkabarettist Rohwert aus Kärnten zu sich. Dieser, jahrelang von der Bildfläche verschwunden, feierte dort sein Comeback. Der bekennende Slowenenfeind lamentierte über die Darbietungen zweier Wiener Kabarettisten, deren Namen ihm nicht mehr so wirklich ins Gedächtnis kommen wollten. (Anmerkung: Stermann und Grisseman). Als bekennender Haiderfreund konnte er die Pietätlosigkeit ihrer Darbietungen kaum fassen. Auch wurde klar, dass Rohwert vor kurzem einen Schicksalsschlag erlebt hatte – müsse er doch Slowenisch lernen. Für den Patrioten ein Drama. Doch es ist von Nöten, könne er doch sonst seine Oma nicht mehr verstehen, die vor kurzem einen Hirnschlag erlitten habe und nur mehr Windisch spräche. Außerdem wurde eine Expertenreportage über eine Gemeinde in einem kenianischen Dorf (in dem Jörg Haider gern die Ferien verbrachte), die das Ableben Haiders betrauerte, gezeigt. Als krassen Gegensatz zum Programm wurde „Das Krematorium“ vorgetragen – ein Stück, das bereits in der Kunstsoiree „Die Festung“ dargeboten wurde. Und nicht zu vergessen war da noch „da Sohn“, ein grinsender Kerl in grünem T-Shirt und gelber Capri-Hose mit orangem Hut.

Kunst und Leberkas

Am 9.6. fand mit „Kunst & Leberkas“ der zweite Teil der Ideal-Reihe statt. Wieder wurde das Publikum vom Maître de Cérémonie begrüßt und von Rudi Radulnig durch den Abend begleitet. Die Kunst des Josef Jelinek stand dabei im Mittelpunkt. Die Leberkas-Wäscheleine, die sich ständig in Veränderung befindliche Sasaka-Skulptur und das Werk „Fußball auf weißem Grund“ sowie ein rot-weiß-rotes Örtchen mit dem klingenden Namen „Fendrich“ wurden den Zusehern bei einer exklusiven Videoaufzeichnung der Führung durch das Haus des medienscheuen Künstlers präsentiert. Die patriotische Toilette erregte das Gemüt des Interviewers – Radulnig brach hier ab und lud die renommierte Kunstkritikerin Dominique Bedile zu sich. Bedile referierte über Jelineks wohl umstrittenstes Werk – „die antifaschistische Kaiserwurst“ – zwei zu einem Hackenkreuz übereinander gelegte „Kaiserwürste“ in einer Toilettenschüssel. Die Darstellung – die, so die Expertin, auf die braunen Flecken in der österreichischen Mentalität hinweist (ist doch die nationalsozialistische Tendenz mehr als schwierig loszuwerden – ganz wie Sch…,die sich nicht runterspülen lässt) wurde gehuldigt, auf Gedenkmünzenprägungen und Vorschläge zur Umgestaltung der Nationalflagge hingewiesen. Ein entrüsteter Mann im Publikum, der über die Interpretationen der Expertin alles andere als begeistert war, erwies sich (wenn auch nach längerem Zweifel) als Jelinek. Dieser klärte das Publikum darüber auf, dass das Werk „Antifaschistische Kaiserwurst“ durch Zufall, einer simplen Notdurft, entstanden sei, und beklagte sich darüber, dass sie sein bekanntestes Werk sei und nicht etwa „Fußball auf weißem Grund“, dessen Erstellung lange Arbeitszeit erfordert habe. Die jahrelange Fehlinterpretation seiner Werke (auch die des patriotischen WCs, das eine Huldigung an Österreich darstellen sollte, und keineswegs auf Verborgenes hinweisen sollte) habe ihn ausgezehrt und fertig gemacht. Jelinek verließ daraufhin die Bühne und überließ Publikum, Bedile und Moderator sich selbst. Auch wieder dabei war „da Sohn“, der erneut immer wieder mal grinsend in Erscheinung trat.


An drei Abenden gibt es noch die Möglichkeit bei den Aufzeichnungen in der „Unsagbar“ in der Kaiserstraße 74 in 1070 Wien dabei zu sein.

16.6.2009, 21h: "Religion und Ernährung"
18.6.2009, 19h30: "Nationalismus und Socken"20.6.2009
19h30: "Wissenschaft und Wahnsinn"


Die Wir(r) empfiehlt: Unbedingt ansehen!

Mehr zum Programm auch unter:
www.special-symbiosis.at



Corinna Reinisch

Titelbild © Special Symbiosis


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