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Die Festung
Ein Resümee von Corinna Reinisch
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Schaurig schön war die Uraufführung von Martin Mittersteiners Stück „Die Festung“, das Anfang April von „Special Symbiosis’“ inszeniert wurde.

Die Wir(r) war dabei!

Schockierende Bilder, Texte, grandiose Violinenmusik, das Publikum als Teilnehmer einer grotesken zur Schaustellung von Realität in den maroden Hallen des Grafen – so könnte man wohl die bleibendsten Eindrücke des Abends auf den Punkt bringen. Von der Dienerschaft des Grafen ins Schloss geleitet wartet die Besucherschar auf den Grafen, der sie in den oberen Stock des Gemäuers führt.

Viel kann er nicht bieten, die Besucher sitzen auf Decken, der Graf (eindrucksvoll gespielt von Manuel Müllneritsch), zwei Violinvirtuosinnen (Elisabeth Vestemian & Magdalena Vorauer) und ein Schriftsteller (Martin Mittersteiner) unterhalten die Gäste. Der Graf spricht trauernd vom „Krematorium der unerfüllten Träume“, wischt sich „den Ruß verbrannter Herzen von der Wange“, wird später skeptisch, als er auf jene aufmerksam wird, die draußen stehen und hineinwollen ins Schloss, dem Elend draußen entfliehen. Das Schloss wird dabei zur Festung Europa, in die keiner Einlass finden soll. Besucher werden abgeschoben, dürfen dem Spiel nur noch als Zaungäste beiwohnen, draußen hämmert es verzweifelt an den Toren. „Lampe du sa“ (in Anspielung auf die Insel Lampedusa) ist das Gedicht, das der Graf dabei vorträgt. Begleitet von Streichmusik wirft er die Frage nach dem Irrlicht auf, das davon ausgeht, spricht von den flehenden Rehaugen und den sich blähenden Kinderbäuchen, doch Recht, nicht Gnade muss walten, denn das Boot ist voll und bietet keinen Platz mehr. Einer jener von draußen schleppt sich in den Saal und wird sogleich von der Dienerschaft geknebelt und davon geschleppt.

Die Besucher werden in den Keller geführt. Dort sitzen die Kinder. Abgestumpft ritzen sie an den Pulsadern, ab und zu geht ein Schnitt zu tief. Die Welt bietet keinen Platz für sie, die Erwachsenen freuen sich „an ihren Hunderln und Katzerln“, dabei schwärmt der Graf auch von den „dementen Greisen im Park, die ihre Lieder aus der Hitlerjugend singen“.

Schreie führen die Besucher wieder nach oben. Dort erwartet sie das Bild einer Frau, die selbst eine Abtreibung mit einem Kleiderbügel vorgenommen hat. Damit hat sie nicht nur für das Kind, sondern auch für sich das Todesurteil gefällt. Doch auf Mitleid und Verständnis kann sie nicht hoffen. Sie hat doch getötet. Der Graf wird zum Priester, sieht zu, wie die Frau verblutet, sie ist eine Sünderin, sie hat den Tod verdient. Zum Schluss soll noch der Schriftsteller tätig werden, die Gäste mit Gruselgeschichten, etwas „Horrorshow“ amüsieren. Dieser gibt jedoch laut lachend an, dass die grausamsten Geschichten ohnehin von den Gästen selbst geschrieben werden.

„Die Festung“ zeichnet auf eindrückliche Art und Weise jene Realität ,  die nur allzu gern vergessen oder verdrängt wird und hinterlässt die Gewissheit, dass es da draußen noch viel gibt, das es zu ändern gilt. „Special Symbiosis“ nimmt sich dabei kein Blatt vor den Mund und stößt wohl so manchen Besucher vor den Kopf. (Haben doch gut „die Hälfte eine menschenverachtende Partei gewählt“).

Fazit: Empfehlenswert und eindrucksvoll! Bei der nächsten Gelegenheit unbedingt (wieder) dabei sein!



Corinna Reinisch
Bilder und Zitate © Martin Mittersteiner / Special Symbiosis


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