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JUNGE KUNST AUS VILLACH
Kärntner Nachwuchskünstler ohne Kärntneranzug - und dennoch "patriotisch"...

Special Symbiosis – Patrioten zur Lage der Nation
Ein Stück von Alfred Burian

und Martin Mittersteiner

Die neue Wir(R)-Redakteurin Sylvia Schurian traf die Symbiotiker und gestaltet einen
Rückblick auf die Österreich Tournee


Was passiert, wenn ein buntgemischter Haufen aus Kärntnern und Wienern beschließt, gemeinsam Österreich mit einem Theaterspektakel zu durchqueren? Vieles, aber auf jeden Fall eine chaotische Kunstkarambolage.
In möglichst kompakter Form wird versucht, Themen wie Liebeskummer, Rassismus, Heimatgefühl, Machtlosigkeit gegenüber dem Leid in der Welt, Melancholie und Depression auf verschiedenste Weise darzustellen. Durch Tanz, Musik, Kurzfilm, Gesang und natürlich auch Schauspiel wird ein breitgefächertes Spektrum an Wahrnehmungsmöglichkeiten dargeboten. Das Stück ist durchzogen von humoristischen Ansätzen, jedoch wird schallendes Gelächter sofort mit einem Extrem konfrontiert, welches einem das Lächeln aus dem Gesicht wischt. Dies soll Verwirrung beim Publikum hervorrufen, welches aus seinem stillen Konsumieren herausgelöst werden soll, damit es sich mit neuen Sichtweisen auseinandersetzen kann.

Im Grunde handelt das Stück von einem jungen Anwalt namens Michael (Manuel Müllneritsch), der anstatt weiterhin erfolgreich seinem Beruf – und Alltagsleben nachzugehen, eher auf seiner Couch dahinvegetiert und den Verlust seiner Freundin betrauert, welche ihn für einen Immigranten verlassen hat. Beinahe seelenlos verbringt er seine Tage vorm Fernseher und zappt sich durch diverse Sendungen, welche sich nach und nach auf der Bühne materialisieren.
    Ganz aus dem Kontext gerissen wirken diese Ausschnitte sinnlos und absurd. In seiner andauernden Lethargie hält Michael Monologe über seine gemeinsame Vergangenheit mit seiner Exfreundin. Er erinnert sich, wie er sie kennengelernt, verloren und wieder zu gewinnen versucht hatte.
Man merkt, wie er leidet und er bedauert sich, doch gleichzeitig beschimpft er sich selber, wie er nur bloß annehmen könne, sein Schmerz sei der größte Schmerz.
    In dieser Phase seines Zustandes werden im Hintergrund Videos eingespielt, welche unsere beinahe perverse, westliche Konsumfreude im Gegensatz zum Welthunger thematisiert.
In dämmrigen Halbschlaf vermischen sich Michaels Gedanken mit den TV-Sendungen zu einem traumartigen Gebilde, fern der Realität, doch diese gleichzeitig verarbeitend. Sehr selbstkritisch versucht Michael seinen Hass auf den Immigranten zu verstehen. Ist es Rassismus oder nur rasende Eifersucht? Wo steht er jetzt im Leben? Warum „funktioniert“ der erfolgreiche Anwalt jetzt nicht mehr? Fragen über Fragen, die Michael als Symbol des verunsicherten, verwirrten Individuums zu beantworten versucht.

Als eindrucksstarkes Ende versammelt sich der Großteil der männlichen Mitwirkenden auf der Bühne – nackt, nur mit Socken an Füßen und anderen delikaten Stellen bekleidet. Mit zum Hitlergruß erhobenen Händen zitieren sie österreichische Politiker, die bedenkliche Aussagen zum Dritten Reich getätigt haben.     Diese Nacktheit wirkt anfangs sehr schockierend, soll aber die Härte der Zitate schwächen und ins Lächerliche ziehen.
Der Besucher verlässt die Aufführung mit gemischten Gefühlen, aber hoffentlich auch mit der Bereitschaft sich selber und seine Umwelt von einer anderen Perspektive zu betrachten.

Die Tournee hielt in Graz, Klagenfurt und zweimal in Wien Station.
Für alle Beteiligten war es ein tolles Erlebnis, obwohl alles was schief gehen konnte, schief ging. Manche verpassten den Zug, verloren ihre Skripten, mal passte die Leinwand nicht oder die ganze Lichttechnik ging 30 Minuten vor dem Auftritt zugrunde. Man hetzte durch ganz Wien, um eine passende Glühlampe zu finden, und ein Beamer gab sogar während der Vorstellung komplett den Geist auf. Allein die Vorstellung in Graz war die reinste General – und Mutprobe. Trotzdem konnte man alles noch rechtzeitig geradebiegen, sodass manchmal gar nicht auffiel, wie sehr man hatte trickseln müssen, damit alles geschmeidig ablief - aber auch genau das ist (die) Kunst.
Kontakte und Freundschaften wurden geknüpft  - und die Nächte wurden zum ausgiebigen Feiern des ausgestandenen und erfolgreichen Tages genutzt.

Gelegenheit, Special Symbiosis live zu erleben hat man am  Freitag, 21.November 2008, wo im Rahmen des  Linder-und Jugendliteraturfestivals "Lesezeichen"  das Kunstverschmelzungskollektiv  "die Welt erklärt" - und zwar in einer Sondersendung zum Thema "Ideal und Wirklichkeit."

Wann? 21.11.2008
Beginn: 20 Uhr
Wo? Bambergsaal, Parkhotel Villach

 

Sylvia Schurian


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